Also ich würde mich selbst als ziemlichen Virtualisierungs-Skeptiker bezeichnen. Das umfasst nicht nur Desktops sondern auch Server. Darauf will ich aber gar nicht hinaus. Das würde jetzt auch den Umfang sprengen.
Ich habe aber bisher einfach noch keine VM-Umgebung gesehen, die der nativen Umgebung das Wasser reichen kann. Dabei beziehe ich mich allerdings schon auf den Power-User-Bereich. Ich glaube gewöhnliche Office- und Standard-Anwendungen können gut virtualisiert werden. Aber wenn ich daran denke, dass meine gesamte Entwicklungsumgebing inkl. allem Anhang virtualisieren soll, gruselt es mich. VMs fühlen sich für mich immer etwas zäh in der Bedienung und schleppend in der Rückmeldung an. Im wesentlichen rede ich hier von VMWare und VirtualBox. Ich betreibe die Dinger auf nem 4-Kerner mit 8 GB RAM (keine Rumpelkiste würde ich sagen).
Natürlich gibt es eine ganze Reihe Vorteile, die da angeführt werden. Wenn man aber ehrlich ist, sind das die gleichen Thesen mit denen in den 70ern Maineframes, später Remotedesktop und jetzt "die Cloud" verkauft wird.
Home Office: Wir Entwickler arbeiten i. d. R. einmal die Woche von zu Hause.
Wenn du zu Hause arbeiten willst, dann müsste die VM doch auf deinem Heimrechner liegen. Dort müsste immer Synchron zur Firmenversion sein. Kann man das sicherstellen?
Wenn du die VM aus dem Firmenrechner starten willst brauchst du ne wirklich dicke DSL-Leitung. Wenn das eine Hand voll Entwickler hast, die das machen wollen, brauchst du nen mächtigen Upstream.
Abends im Hotel (für Vor- und Nachbereitungen des Tages). Ist doch chic, wenn man die gesamte Firmeninfrastruktur zur Verfügung hat und nicht nur den sehr begrenzten Subset auf dem Notebook. Gute Sache für die Vertriebler + Consultants.
Kann man doch auch per VPN verfügbar machen oder RDP. Wenn du die VM auf dem NB haben willst, dann stellt sich die Frage der Konsistenz wieder.
Produktvorführungen beim Kunden, die für die Präsentation eine umfangreiche Infrastruktur erfordern - eine zSeries mitzuschleppen ist immer etwas unhandlich 😉
Ich versuche es möglichst zu vermeiden in Präsentationen externe Resourcen zu verwenden. Die Admins beim Kunden sind paranoid 😃
Urlaub: Ja, kommt auch vor, dass Spezial-Wissen nicht weit verbreitet und ein Kollege mal im Urlaub "ran" muss...
Man sollten den Kollegen klar machen, was ein Fileserver ist. Das horten lokalen Wissens ist weder mit noch ohne VM eine gute Idee. Das Ergebnis wird sonst sein, dass du erstmal 7 VMs abgrasen kannst um ein wichtiges Besprechhungsprotokoll zu finden.
Team-Entwicklung "auswärts"... Es ist in der Tat schon einmal vorgekommen, dass bei einem immens wichtigen Auftrag und engem Zeitpan ein Team komplett auswärts entwickelt hat um effektiv und ungestört zu entwickeln....
Wenn die VM in einem VM-Server hängt, hätte ich keine Lust nur mit stabiler Internetverbindung zu arbeiten. Wenn die VM lokal ist, dann stellt sich das Problem der Konsistenz. Ich würde hier lieber auf ein gutes Source-Control-System setzen.
Wie gesagt: Ich bin da eher skeptisch 😃 No hard feelings.
Gruß
Levi